Circulus vitiosus…

© 2014 Otto Wenninger

© 2014 Otto Wenninger

In letzter Zeit bedienen sich viele Menschen in meinem Umfeld dem Begriff des Teufelskreis. Grund genug einmal darüber nachzudenken, was denn hinter diesem gern benutzten Wort steckt; handelt es sich dabei um einen Kreislauf oder eher um eine Abwärtsspirale? Sind wir in der Lage diese Muster zu erkennen und wie kann man sich verhalten, um diesen sich verstärkenden Mechanismen zu entkommen und die damit verbundenen Abhängigkeiten aufzubrechen?

Schon in der Schule brachte die Lehrerin das Beispiel einer Zwickmühle, in die wir in der Beziehung mit unseren Mitmenschen schnell kommen können. Damals war das Beispiel in der Sozialwissenschaftsstunde der rothaarigen Wissensvermittlerin:

ER: „Ich schreie so laut, weil Du nicht zuhörst!“
SIE: „Ich höre Dir nicht zu, weil Du so laut schreist.“

Eine scheinbar ausweglose Situation. Durchbrechen kann man diese Situation wahrscheinlich am einfachsten, wenn eine Person seine Verhaltensweise ändert.

Wenn ich nun bereit bin, mich zu ändern, um diesen ersten Schritt zu wagen, stellt sich für mich die Frage, ob ich langfristig mit der Person, die ich dann zukünftig sein werde noch klar komme? Muss ich loslassen und mich von alten Verhaltensmustern trennen? Müssen sich meine Mitmenschen und letztendlich auch ich mich darauf einlassen, dass sie und ich mich neu kennenlerne?

Ergo: Mehr Fragen als Antworten. Somit scheinen diese Schritte in eine ungewisse Zukunft mehr Mut zu erfordern, als an Gewohntem festzuhalten.

Ohne Sinn und Verstand?

© 2004 Dan Smith

© 2004 Dan Smith

Meine anärobe Schwelle habe ich bei einem Puls von 163 Herzschlägen pro Minute erreicht. Hier übersäuern langsam meine Muskeln und es fällt zunehmend schwerer bei dem Tempo zu laufen. Diese ist mir schon lange bekannt. In den letzten Tagen ist mir aber auch noch ein andere Zusammenhang aufgefallen. Mir hilft Laufen zur Steigerung oder dem Erhalt meiner körperlichen Fitness. Zusätzlich unterstützt mich diese Sportart auch bei dem Abbau von Stress – sei es beruflicher oder privater Natur. Fühle ich mich ungerecht behandelt oder sind meine Nerven bis auf das Äußerste angespannt hilf mir ein Lauf jenseits eines Tempos von 4:36 Minuten pro Kilometer; je stressiger, je schneller.

Nachteil dieser Geschwindigkeit ist, dass hier ein „Dahingleiten“ unmöglich ist. Ich kann keine komplexen Gedanken fassen oder meinen Geist einfach öffnen, um mich so auf neue Ideen oder andere Sichtweisen einzulassen. Kurzum: meine geistige anärobe Schwelle ist die 4:36. Hier kann ich wunderbar Aggressionen und Stress abbauen, aber auf Lösungen komme ich nicht. Also führt diese Schwelle, wie bei den Muskeln, zu einer Überlastung; langfristig sicherlich keine Lösung.

Heute bin ich aber in einem Schnitt von 4:38 Minuten der Kilometer gelaufen. Hier passierte erstaunliches in meinem Gehirn. Ich öffnete den Geist, kam auf neue Denkansätze, fühlte damit verbundene Emotionen und war dem von den meisten Läufern gewünschten Flow näher denn je.

Laufe ich aber jenseits der 05:06 denke ich aktiv über Sachverhalte nach. Hier steure ich meine Gedanken bewusst. Das kann ich aber auch jederzeit abseits des Sports. Abhängig von dem verfolgten Ziel ergeben sich bei mir folglich auch mental verschiedene Trainingsbereiche. Eine Erfahrung, die ich in diesen Tagen zum ersten Mal bewusst wahrgenommen habe.

Lösen sich Probleme einfach in Luft auf?

© 2006 Kieran Maher

© 2006 Kieran Maher

Ich bin Maschinenbauingenieur. Mein Elektrotechnikprofessor versuchte unsere Gilde ständig davon zu überzeugen, dass die Tage des Maschinenbaus gezählt sind und Mechanik durch Elektrotechnik ersetzt werden wird. Neben der fachlichen Ausbildung in seiner Disziplin liess er uns auch an seine Gedanken zu aktuellen Entwicklungen, der Menschheit und der Vergangenheit und Zukunft der Welt teilhaben. Dabei ist bei mir hängen geblieben, dass der Mensch Linearitäten schnell begreift. Exponentielle Zusammenhänge offenbaren sich unserer Spezies hingegen sehr schwer.

Die Politik hat in den letzten Jahren Wunder vollbracht; vielleicht nicht so sehr bei der Umsetzung und Realisierung von Programmen und Ideen als viel mehr bei der Prägung von Begriffen und die Übernahme dieser Begriffe in den allgemeinen Wortschatz. So begegnen mir diese Begriffe im Alltag und lassen meine Gedanken abschweifen, um mir der eigentlichen Bedeutung bewusst zu werden. Einer dieser Momente erlebte ich bei einem Vortrag, bei dem der Vortragende, ein medizinisch ausgebildeter Zeitgenosse, einen Begriff, den ich eher im naturwissenschaftlichen Umfeld erwarten würde: die Halbwertszeit.

Hier ging dieser Vertragende davon aus, dass nach Verstreichen dieser Zeitperiode das aktuell existierende Problem gelöst wäre. Das Fatale an der Halbwertszeit ist jedoch, dass es sich hierbei um einen bestimmten Zeitpunkt während eines exponentiellen Verlaufs handelt. Übertagen auf den Vortrag ist bei Erreichen dieses Zeitpunktes unglücklicherweise erst die Hälfte der Probleme gelöst. Warten wir so dann noch einmal so lange, werden wir hoffentlich in der Lage gewesen sein, eine weitere Hälfte der Hälfte an Problemen gelöst zu haben. Aber letztendlich werden wir unglücklicherweise auch in weit entfernter Zukunft bei dem hier gewählten Problemlösungsverlauf nicht in der Lage sein, alle Probleme zu unserer vollsten Zufriedenheit zu lösen.

Es ist somit sowohl bei der Nutzung der Atomenergie als auch bei der Lösung allzu menschlicher Probleme höchst unbefriedigend, bei einem exponentiellen Verlauf auf die Lösung eines gordischen Knotens zu hoffen.

Einfach mal laufen lassen…

Meist folgen Geschichten einem scheinbar geheimen Plan. Krimibuchautoren fangen bei der Konstruktion der verschiedenen Geschichtsstränge manchmal von hinten an und lassen diese dann auf der verkehrten Reise zum Anfang scheinbar bis zur vollkommenen Unabhängigkeit auseinander laufen.

Labyrinth

© Fooody 2011

Mir fehlt nun, da ich diese Zeilen schreibe, nicht nur dieser rote Faden; es fehlt mir das Thema. Aber wie beim Gespräch mit guten Freunden brauche ich bei der vordergründig ziellosen Reise Vertrauen in die Gedanken, die mich führen, die mich bewegen.

Ich beschäftige mich zurzeit, wie so viele Menschen vor und auch sicherlich nach mir, mit der Formel zum Auffinden meiner persönlichen Vorstellung vom Glück. Dabei helfen mir als kopfgesteuerten Menschen Simulationen auf Basis denkbarer Szenarien. Es spielt aus meiner Sicht kaum eine Rolle, ob ich überraschenderweise in den Besitz einer Menge Geld gelänge oder mir offenbart würde, dass ich nur noch eine kurze Zeit zu leben hätte.

Die aus diesem Sachverhalt abgeleitete Konsequenz halte ich für entscheidend: Was würde ich durch das Erlangen dieser Freiheit an meinem Leben ändern? Wenn ich etwas unter den veränderten äußeren Rahmenbedingungen ändern würde, schließt sich für mich die Frage an: Warum bedarf es jenes externen Impulses, um die erforderlichen Schritte in zu einer glücklicherem Leben zu wagen? Was hindert mich daran, die ersten Schritte ohne initialen Anstoss selbst zu gehen?

Es gibt kein Perpetuum Mobile und das Leben ist irreversibel. Das bedeutet für mich, dass ich nur dieses eine Leben habe und ich selbst für mein Leben verantwortlich bin. Ich habe mir die heutigen äußeren Zwänge selbst auferlegt. In machen lichten Augenblicken werde ich mir dieser Verantwortung bewusst und ich bekomme einen Kloß in den Hals. Aber es führt mir auch die Freiheit und meine Unabhängigkeit vor Augen; viele der Zwänge lassen sich jederzeit überwinden und Druck auf sich muss man ausüben lassen.

Mens sana in corpore sano…

Leonardo_da_Vinci

Jetzt hat es mich erwischt. Mein Plan ist Geschichte. Ich habe eine Sehnenentzündung und das Laufen tut weh. Den Rest hat mir der samstägliche 35-Kilometer-Lauf mit Endbeschleunigung gegeben. Nach einer Woche mit Schmerzen war es dann am Sonntag für mich unmöglich, den regenerativen Lauf in Angriff zu nehmen.
Am Montag war dann Tempo angesagt. Aber nach den ersten Schritten waren die Schmerzen einfach unerträglich; zurück nach Hause. Am Dienstag folgt dann ja der extensive Lauf. Der Designer meines Laufplans hatte ja ausdrücklich darauf hingewiesen, dass ausgefallene Einheiten nicht aufgeholt werden. Hier folgt der Wiedereinstieg in den laufenden Plan mit der dann anstehenden Einheit. Aber auch der Dienstag gestaltete sich als unüberwindliche Hürde. Das gleiche dann am Mittwoch und der Donnerstag ist dann sowieso der Ruhetag der Woche.

Morgen kommt der Freitag. Die Schmerzen sind noch da. Am Morgen wartet meine Physiotherapeutin auf mich und mit ihr verbinde ich Hoffnung auf ein Wunder. Falls ihr dieses nicht gelingt kann ich auf das Fahrrad umsteigen und meine Marathonambitionen im Frühjahr zu den Akten legen.

Im Moment habe ich schon gefühlte fünf Kilogramm zugenommen und das schlechte Gewissen meldet sich unentwegt. Ich fühle mich noch als Läufer, obwohl ich mittlerweile mindestens einmal am Tag einen Blick auf meine Laufschuhe werfen muss, um mich noch daran erinnern zu können, dass ich in der Vergangenheit nahezu jeden Tag Sport getrieben habe.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Auswirkung auf meine Psyche. Da das Laufen auch eine Technik der Stressbewältigung darstellen soll, müsste mein Stresspegel eigentlich merklich steigen. Ich fühle zurzeit ein Unwohlsein, dass sich aber noch im erträglichen Rahmen bewegt.
Da bleibt zu beobachten und zu berichten, wie sich diese Geschichte weiterentwickelt.

Der Zahn der Zeit …

Ich muss diese Tage wieder Schmerzen ertragen. Es tut mal wieder eine Sehen weh. Hätte ich es nicht beim Tempolauf übertrieben. Jetzt ist es zu spät. Einen Tag habe ich ausgesetzt, aber eine Besserung hat sich nicht ergeben. Uneinsichtig, wie ich bin, halte ich weiter am Plan fest. Es fällt mir einfach schwer zu akzeptieren, dass der Zahn der Zeit auch an meiner Person nagt; unaufhörlich und irreversibel.

Michael_kleinIch habe die Tage ein altes Foto aus vergangenen Tagen in die Hände bekommen. Ich bin damals in dem Alter meiner Kinder gewesen und blickte optimistisch in die Zukunft. Ich glaube, wir sind die erste Generation, die so viele Fotos von sich im Schrank aufbewahrt, dass wir für jeden Lebensabschnitt die passenden Ablichtungen parat haben. Ich habe mich oft gefragt, wie sich ein Schauspieler fühlt, der alte Filme von sich sieht und sich dort mit einem jungen Hüpfer konfrontiert sieht.

Auch beim Laufen wird mir das immer vor Augen geführt. Ich habe das Gefühl, dass ich mich jedes Jahr ein wenig mehr quälen muss, um weiterhin die gleiche Geschwindigkeit laufen zu können.

Mittlerweile fallen mir immer mehr diese Rollatoren auf, mit denen mir eine wachsende Anzahl an Erdenbürger entgegen kommen. Genauso wie der Computer, vor dem ich gerade sitze, ist das ein Gegenstand, den es in meiner Jugend noch nicht gegeben hat. Was hat denn die Menschheit vor der Erfindung des Rollators gemacht? Wahrscheinlich bin ich in der Wahrnehmung in meinem nun bewusst wahrgenommenen Alterungsprozess viel zu sehr für solche Bilder sensibilisiert. Das erinnert mich an die Zeit, als meine Freundin schwanger war: In dieser Zeit habe ich auch nur schwangere Frauen gesehen.

Wat kütt, dat kütt…

Jetzt ist wieder die Zeit der Närrinnen und Narren. Ich geben mich diesem Motto dann auch einfach so hin und lasse es über mich ergehen: Es ist Karneval; oder wie man in meiner Wahlheimat sagt: Fasching.

Für meine Kinder heisst das: Ausleben der Schizophrenie und raus mit dem wahren Kern.

Meine Freundin und Lebensmittelpunkt konnte meinen Sohn überzeugen, sich dieses Jahr als Punk zu verkleiden. Er wusste zwar nicht, was sich dahinter verbirgt, aber immerhin schien es interessanter als die alljährliche Rolle des Cowboys oder Luke Skywalker zu sein. Ausserdem wurde trotz der fehlenden innerlichen Einstellung zu seiner „Verkleidung“ wenigstens keine Minderheiten diskriminiert.

Ich komme ursprünglich aus Nordrhein-Westfalen und empfinde nach mehr als einem Jahrzehnt in Bayern so manche Bräuche immer noch als Rituale von Sonderlingen. Das scheint auch anderen Eltern so zu ergehen. Jedenfalls lässt sich für mich sonst nicht erklären, warum diese die bayrische Tracht als so sonderbar wahrnehmen, dass Sie diese kurzum als Verkleidung interpretieren. Folglich werden die Kleinen in eben diese Verkleidung gesteckt und als Scheinbayern in die Schule geschickt. Eine klare Verunglimpfung traditioneller Werte. Das erinnert mich ein wenig an die Tegernseer Seefeste, bei denen Münchner in Kleidern erscheinen, die Sie selber als Tracht erachten. Da bin ich ja nur froh, dass ich in diesem Klassenverbund keinen Knaben in Laufkleidung angetroffen habe.

Meine Tochter hat noch nicht dieses Problem. Hier geht es eher um die Qual der Wahl: ist dieses Jahr das Thema „Prinzessin“ oder wird heuer der „Popstar“ favorisiert. Dieses Jahr ist eher Barbie als Lillifee angesagt, so dass sich meine Tochter ohne zu zögern für den Popstar entschieden hat.

Aussenstehende sehen hier aber auf den ersten Blick keinen Unterschied, so dass gleich am Morgen im Kindergarten begeisterte Eltern meine Tochter begutachteten und die kleine Prinzessin im Kreis der anderen Kleinwüchsigen willkommen hiessen. Da hatte meine Tochter eine Menge Überzeugungsarbeit zu leisten und brachte erstaunlicherweise jedes Mal die Energie auf, die eher oberflächlich prüfenden Erziehungsberechtigten darauf hinzuweisen, dass ein echter Popstar vor ihnen stehe.

Das kommt mir ja fast so vor, als ob ich jemanden den Unterschied zwischen einem Jogger und einem Läufer erklären müsste, obwohl das für einen Aussenstehenden erst einmal das gleiche zu seien scheint.

Ich werde mich in diesem Zusammenhang nur einmal am Tag verkleiden. Ich gehe als Läufer und spule meinen Trainingsplan ab. Da ich mir für dieses Jahr wieder einiges vorgenommen habe, ist für mich der Spuk aber dann nicht am Aschermittwoch vorbei.

Erfahrungen mit dem On Cloudracer

on-cloudracer-kleinIch bin nun den On Coudracer ein wenig gelaufen.

Bei Interesse könnt ihr hier meinen subjektiven Eindruck über diese Laufschuhe nachlesen.

Ist es denn so schlimm in einem Hamsterrad gefangen zu sein?

Ich wohne im Süden der Republik. Das hat wenigstens den Vorteil, dass mir die eine oder andere Sonnenstunde geboten wird. Leider fehlt der Schnee und es ist vergleichsweise warm. Trotzdem laden diese Temperaturen nicht dazu ein, mit kurzer Hose seine Runden zu drehen, so dass ich mir eigentlich den Schnee herbeisehne. Frustrierend erhalte ich in den letzten Wochen immer wieder Absagen geplanter Skitourvorhaben. Sogar die Schneeschuhe bleiben bald im Keller liegen.

Hamster

© 2005 Mylius

So bleibt aus meiner Sicht nur die abwechlungslose Einhaltung des Trainingsplans. Montag der Tempodauerlauf, Dienstag ein extensives Training, Mittwoch das Intervalltraining, Donnerstag dann frei, Freitag ein extensives Training, Samstag der lange Lauf und dann am Sonntag ein regenerativer Lauf. So ziehen die Wochen dahin und ich frage mich, wozu das gut sein soll. Der einzige Vorteil ist, dass ich bis jetzt in dieser Saison (hat die überhaupt schon angefangen?) von ernsthaften Krankheiten verschont geblieben bin…

Erfahrungen mit dem Saucony Grid Fastwitch 6

Saucony_Grid_Fastwitch_6_KleinIch bin nun den Saucony Grid Fastwitch 6 ein wenig gelaufen.

Bei Interesse könnt ihr hier meinen subjektiven Eindruck über diese Laufschuhe nachlesen.